Biedermeier

Literatur, Architektur und Ideale dieser Epoche – Biedermeier als Gegenentwurf des Vormärz

Das Biedermeier war die Zeit zwischen dem Sieg Napoleons und der Revolution von 1848. Es handelt sich um eine Zeit, in der sich das deutsche Bürgertum kulturell und wirtschaftlich mehr und mehr emanzipierte. Es verlangte in großem Maße nach politischer Mitsprache. Mit Biedermeier verbindet man in erster Linie die Möbel dieser Zeit. Vor allem aber Literatur und Malerei dieser Epoche waren überaus prägend. Die Entstehung einer eigenen Kultur des Bürgertums kann als Ausdruck des Biedermeier gesehen werden. Insbesondere die Kunst und Literatur, die oftmals mit dem Etikett konservativ und hausbacken verbunden wird. Die Flucht ins Idyll und ins Private sind Ausdruck dieser Zeit. Der Begriff selber entstand um 1900 und geht auf die fiktive Figur des spießbürgerlichen Gottlieb Biedermeier zurück. Eine Figur, die im Mittelpunkt verschiedener Geschichten stand, die in den Münchner Fliegenden Blättern veröffentlicht wurden.

Im Rahmen der bildenden Kunst war vor allem die Landschafts- und Porträtmalerei dominant. Es gab kaum historische oder religiöse Motive. Die Bilder glichen vielmehr fotografischen Abbildungen und standen für einen sehr realistischen Stil. Die Wirklichkeit wurde oftmals stark idealisiert und somit immer verbessert. Im Zuge dessen muss man von einem Pseudo-Realismus sprechen. Stilbildende Maler des Biedermeier waren Friedrich Gauermann, Eduard Gärtner, Adolph Menzel und Moritz von Schwind.

Insbesondere die Musik war zunehmend vom Geschmack des Bürgertums geprägt. Vor allem die Hausmusik wurde sehr bedeutend zu dieser Zeit. Kammerstücke waren gefragt und in den Städten wurden viele Gesangsvereine und Musikgesellschaften gegründet. Prägende Musiker waren Robert Schuhmann, Friedrich Berger und Leopold Schefer. Der Walzer wurde zum Kennzeichen dieser Zeit. Er entstand auf Grundlage der zumeist im Freien getanzten Ländler.

Insgesamt gesehen muss das Biedermeier als Zeit der häuslichen Idylle und des privaten Glücks gesehen werden. Das Privatleben wurde in ganz neuen Formen kultiviert. Allgemeine bürgerliche Tugenden wie Fleiß, Treue, Ehrlichkeit und Pflichtgefühl wurden zu Idealen erhoben. Die heutige Form des Wohnzimmers geht ursprünglich auf die Biedermeier-Wohnstube zurück. Gemütlichkeit und Geselligkeit haben auch hier ihren Ursprung. Die häusliche Form des Weihnachtsfests mit Baum und Bescherung geht ebenfalls auf diese Zeit zurück.

Entscheidendes Merkmal der Biedermeier Architektur ist der schlichte und dennoch elegante Stil. Im Grunde eine Form des Klassizismus der Architektur und Möbel kennzeichnete. Friedrich Schinkel muss als bekanntester Architekt dieser Epoche gesehen werden. Außerdem ist der Name Joseph Kornhäusel zu nennen. Die Möbel dieser Zeit folgen keinem einheitlichen Stil und orientierten sich vielmehr an englischen Möbeln. Kleinmöbel wie Kommoden, Sekretäre und Nachttische sind typische Möbel dieser Zeit.

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Dieser Eintrag wurde am 30.06.2009 um 14:16 Uhr zuletzt geändert und steht unter der GNU-Lizenz.